Wie lassen sich BIM und AR/VR-Technologien konkret veranschaulichen?
Das Einsatzpotential von BIM bzw. AR/VR-Technologien zeigen wir anhand eines Renovierungsbeispiel, welches ich im Rahmen des genannten TEDx Bozen 2017 vorstellte.
Familie Mustermann hat bei sich zu Hause das alte Kinderzimmer ihres Sohnes in ein flottes, modernes Jugendzimmer umgestaltet. Für eine etwas komplizierte Wandnische rufen sie den Tischler ihres Vertrauens an.
Tag 0: Der Tischler kommt, sieht sich die Nische an, hört sich die Vorstellungen von Familie Mustermann an und ergänzt diese um einige Tipps. Daraufhin nimmt der Tischler Maß und fährt wieder weg.
Nach 2 Wochen: Zwei Wochen später bekommt Familie Mustermann das Angebot. Hierzu kommt der Tischler persönlich vorbei und zeigt ihnen die gezeichneten Pläne. Zur besseren Vorstellung hat er das Möbelstück mit einem 3D-Rendering visualisiert. Nach ein paar Änderungswünschen und einer harten Preisverhandlung einigen Sie sich, wie bisher immer und der Auftrag wird erteilt.
Nach 8 Wochen: Etwa 6 Wochen später ist der Einbautermin. In der Zwischenzeit wurde der Auftrag eingegeben, die Programme für die CNC Maschinen erstellt. Das Material musste ausgelagert, zur Maschinen transportiert werden und die Maschinen bestückt werden. Fertige Teile mussten abgestapelt und auf ihre Qualität hin geprüft werden. Schließlich wird der Auftrag komplett auf einer Palette bereitgestellt und kann verladen werden. Zwei Monteure kommen mit einem Lieferwagen zu Familie Mustermann, laden aus und beginnen mit dem Einbau. Beim Einbau wird festgestellt, dass ein paar Teile nicht ganz passen, wie geplant. Nach Rücksprache mit dem Chef und einer höflichen Entschuldigung räumen die Mitarbeiter alles notdürftig weg und verlassen das Heim wieder auf unbestimmte Zeit.
Nach 9 Wochen: Familie Mustermann ärgert sich jeden Tag, wenn sie über das Chaos im Zimmer stolpern, fügen sich dann aber doch in ihr Schicksal und widmen sich ihrem Tagesgeschäft. Ein paar Tage später rufen sie den Tischler an und fragen nach wann das Problem behoben sein wird. Er entschuldigt sich – es sei alles momentan so hektisch aufgrund eines dringenden Großauftrages – und er sichert ihnen zu innerhalb nächster Woche alles zu ihrer höchsten Zufriedenheit fertig zu stellen.
Nach 10 Wochen: Die Monteure kommen dieses Mal mit den richtigen Teilen, stellen alles ordnungsgemäß fertig, räumen auf und hinterlassen alles in bester Ordnung.
Die gesamte vergangene Zeit vom Erstkontakt bis zur Fertigstellung betrug 10 Wochen. Wir sprechen hierbei von der Auftragsdurchlaufzeit. Die Fakturierung und der Zahlungseingang wurden noch gar nicht berücksichtigt.
Nun schauen wir wieviel Zeit davon aus Sicht des Kunden „wertschöpfend“ war und tatsächlich zur Fertigstellung des Produktes beigetragen hat:
- Beratungsgespräch 15 Min. von einer Stunde,
- tatsächliche Fertigungszeit der Schrankbauteile: 1 Stunde und 15 Minuten,
- effektive Montagezeit 2 Stunden.
- Wertschöpfende Zeit insgesamt 3,5 Stunden vs. 10 Wochen Durchlaufzeit, also 1%. Die verbliebenen 99% sind Transport- Liege-, Warte-, Handhabungs-, Fehlerbehebungs-, Dokumentations- und sonstige Nebenzeiten.